Hauptplatz Linz: acar2 hängt private Wäsche an die grosse Glocke
Bezug zum Festivalthema der Ars Electroncia
Die öffentliche Zurschaustellung der gesamten Unterwäsche eines Haushalts, wie dies heute noch
in wärmeren Ländern üblich ist, zeigt eine alternative Haltung mit dem Privaten auf, die den eher
nördlichen Bedarf nach dem Schutz der Privatsphäre auf erfrischende Weise konterkariert. Nicht
nur im Bereich der persönlichen Wäsche wird das Private, zumindest in der Wahrnehmung nördli-
cherer Kulturen, im Süden nahezu aggressiv veröffentlicht; man kann dies bekanntlich auch im
Eisenbahnabteil nach Rom erleben, in dem man rasch mal alle Telefonini verwünscht.
Bezug zur Thematik vom campus2.0
Die neoanaloge Versuchsreihe von acar2 bringt die Veranstalter des campus2.0 dazu, die Arbeiten
möglichst ohne digitale Ausgabemedien, also ohne Bildschirme und Projektoren, zu vermitteln,
ohne dabei auf die Qualitäten der Interaktion verzichten zu wollen. Im Sinne einer mediengerech-
ten Provokation und auch als Ausdruck der “slightly mad inventors” einer Hackerkultur, welche die
Recherche in das digital erweiterte Handwerk antreibt, soll deshalb eine digital gesteuerte Gross-
installation die neoanaloge Handgreiflichkeit verdeutlichen.
Display des Digitalen
Unser Wäschematrixdisplay mit seiner Matrixstruktur verbindet Textilität und Digitalität; wesentli-
che Grundlagen der Computertechnologie wurden erst vor dem Hintergrund der Webtechnologie
und dem Jacquard-Webstuhl als der ersten programmierbaren Maschine denkbar.
Kritische Auseinandersetzung mit Werbung im öffentlichen Raum
Die Zunahme digitaler Displays gefährdet den öffentlichen Raum. Durch den Signalcharakter von
Bahnhofsdisplays und Plasmascreens an der Ladenkasse wird die Rückzugsmöglichkeit aus dem
Informationsterror in die Privatsphäre erschwert. So werden in der Schweiz immer mehr Pseudo-
renovationen an Fassaden vorgenommen, welche einzig der Anbringung von Grossplakaten auf
den Baugerüsten dienen.
Die technische Umsetzung
Geplant wird die Befestigung von fünf parallel übereinander gespannten Wäscheleinen zwischen
den beiden Gebäuden der Finanzverwaltung und der Kunstuniversität, die den Abschluss des
Hauptplatzes zur Donau hin bilden. Ungefähr quadratische Wäschestücke, vorzugsweise Unter-
hosen, sollen hier robotisch aufgehängt werden und als Punkte einer Matrixanzeige dienen.
Der Abstand der beiden Gebäude zueinander beträgt 23 Meter. Die Buchstabenhöhe der fünf
senkrecht übereinander angeordneten Matrixpunktlinien beträgt circa 1.8 Meter, was gegen den
Himmel zur deutlichen Sichtbarkeit von 15 – 20 Buchstaben führt.
In gegenüberliegenden Mittelfenstern des zweiten Stocks dieser Gebäude ist die provisorische Anbringung von rahmenartigen Vorrichtungen zur Aufnahme des mechanischen Systems vorgesehen. Im Ge-bäude der Kunstuniversität soll sich der wesentliche Teil dieser
Einrichtung befinden, der etwa drei Meter in den Raum hineinragen wird und zu dem das Publikum auch Zutritt haben soll.
Auf der Seite der Finanzdirektion ist eine sehr viel simplere Installation vorgesehen, die aus fünf Umlenkrollen in einem in die
Fensteröffnung eingesetzten Stahlrahmen besteht. Die Fensterflügel werden während der Ausstellung ausgehängt, wobei die beiden Fensteröffnungen bis auf einen schmalen, senkrechten Spalt durch seitliche Abdeckungen gegen Wind und Regen geschützt werden. Durch das Prinzip einer in zwei Fensteröffnungen via Drahtseil gegeneinander verspannten Montageform sind keine Bohrungen notwendig, weder in den Fensterrahmen noch in den Fassaden.
Das Prinzip
Hier sieht man, wie auf dem Drahtseil sitzende Klammernmit angenähten Wäschestücken gleich-
zeitig mit ihrer Transportbewegung durch zwei horizontale Druckscheiben vom Seil ausgekoppelt
werden, um dann in den senkrecht rotierenden, auf einem Gurt angenieteten U-Profilen sich einzuschnappen und ins Lager ziehen zu lassen. Durch die Verwendung von handelsüblichen Federklammern, die mechanisch geöffnet und geschlossen
werden und die sich dadurch von den 6 mm starken Transportseilen entkoppeln lassen, entsteht
eine hohe Zuverlässigkeit. Die Klammern bleiben durch die daran angenähten Wäschestücke immer auf dem Seil rundum gesichert, sodass ein Fall auf die Strasse ausgeschlossen werden kann. Die Dicke des verwendeten Drahtseils wird mit den
Kabelwerken Brugg, dem Lieferanten von Seilbahnen, abgestimmt. Die Steuerung wird über ext-
rem untersetzte Schrittmotoren und Lichtschranken gelöst (worin wir die kleinste Schwierigkeit
erkennen).
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- Published:
- 5.31.07 / 6pm
- Category:
- exhibition

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